Praktisches V – Lob

Um auch mal wieder was ausm Praxissemester zu berichten: Lob ist ja an sich nicht verkehrt. Nein, eigentlich werde ich sogar relativ gerne gelobt. Vielleicht nicht unbedingt für so Banalien wie ein besonders feines Bäuerchen – aber hey, man ist ja schon mit so ziemlich allem zufrieden. Okay, was heisst Lob… Aber wenn andere Leute im allgemeinen recht positiv von einem sprechen ist das doch besser als wüste Schimpftiraden, finde ich. Vor allem wenn das von jemandem kommt, der signifikanten Einfluss auf die Bewertung meiner künftigen Bachelorarbeit hat.

Aber moment mal, warum sollte überhaupt jemand auf die Idee kommen positiv über mich zu denken oder gar zu reden? Tja, das frage ich mich halt auch. […] Es fühlt sich von meiner Seite aus jedenfalls so an als würde ich nun schon ne Ewigkeit herumschuften und -pipettieren und mir Mühe geben – aber es nichts erreichen. Es kommt irgendwie nix dabei raus. Klar, man kann so kleine Erfolge oder auch Erfölgchen verzeichnen (sogar solche die über ein besonders melodisches Rülpsen hinausgehen) und das alles bringt mich dann ja nach und nach doch zu dem mehr oder weniger finalen Schritt der Vorarbeiten die mir die Pflanzen einbringen sollten mit welchen ich mich in meinem Bachelorprojekt beschäftigen sollte.

Sollten. Sollte. Noch ist zwar nicht aller Tage Abend und es besteht noch Hoffnung, aber statt prächtig gedeihende Pflanzen zu bewundern (Ha. Ha. Ha.) bin ich schon damit zufrieden dass da zwei (höchstwahrscheinlich falsch-positive) mühsam herumkrüppeln und immerhin eine stattliche Grösse von wenigen Millimetern erreicht haben – anstatt vorsichtig zwei Keimblättchen zu produzieren und dann zu hunderten zu krepieren.

So gesehen fühlt es sich eher an als stünde ich vor einem Trümmerhaufen. Gut, da war noch so ne andere Optimierungs-Versuchsreihe aus der auch nix wurde, aber da konnte ich zumindest nachweisen dass es nicht tut wie man sich das erhofft hat. Ist ja auch schonmal was. Aber trotzdem! Je nach Tagesform schwanke ich zur Zeit eher so zwischen arg zynischer Bissigkeit, Verzweiflung und Überlegungen zwischen „sich im Labor verkrümeln und auf den Tod warten“ und „den Freuden des Alkohols verfallen“. Da braucht man mir zur Zeit garned erst mit Glückseligkeit kommen!

Na, und was macht Chefin? Die meint ich solle mir da keinen Kopf machen, ich hätte schon soooo viel erreicht und das würde locker für ne Bachelorarbeit reichen, da hätte sie schon ganze andere Sachen gesehen, etc. Zumindest sagte man mir dass sie sich mal so geäussert hat. Super – wenn die das so sieht… Aber ich mag irgendwie nicht mühsam kleine Scherben ausm Praxissemester zusammenkehren und versuchen daraus mit Mühe und Not irgendwas zusammenzuschustern das man mit gutem Willen noch als Arbeit durchgehen lassen kann.

Überhaupt, wie kommt die auf die Idee mich auch noch vor anderen Leuten und Studenten (Ja, Studenten zählen nicht zu „Leuten“ ^^) zu loben? Was soll das? Und nen kurzen Vortrag soll ich im Seminar mal halten, erzählen was ich so mache und überhaupt… Ja toll, meinen Pflänzchen beim Verrecken zusehen und dabei Kaffee trinken, das mach ich! Irgendwelche richtigen Ergebnisse hab ich doch wohl ned vorzuweisen…

Und wie kommt die gute Frau auf die Idee ich würde mich so gut mit Statistik auskennen und wäre hier voll der „Signifikanzprofi“?! Die Zeit meiner Statistikvorlesungen liegt lange zurück und war auch ein ziemliches Trauerspiel! Und nur weil ich jetzt mal für ne Auswertung mühsam nen t-Test rausgekramt hab und dafür zwei Tage gebraucht hab bin ich jetzt der Held oder was, und werde noch anderen Kollegen empfohlen? WTF?

Keine Ahnung was das soll.

Stelle ich da zu hohe Ansprüche an mich (immerhin ists ja nur ne poplige Bachelorarbeit) – oder hatten die bisher nur irgendwelches Studentengesindel das so grade mal stubenrein ist und ausser Pipettenspitzen nachfüllen nix kann?

Jedenfalls wird mir all das Lob inzwischen sehr sehr unheimlich… o.o

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Eine Antwort to “Praktisches V – Lob”

  1. cirrus Says:

    Ja, die Ansprüche sind falsch weil die Erwartungen falsch sind.
    Die Kunst der Wissenschaft besteht darin, schlechte Ergebnisse als Gute zu verkaufen.
    Nimm als Beispiel Kosmetik aus dem Supermarkt. Jedes zweite Produkt wirbt mit „klinisch getestet“. Das sagt aus, dass es getestet wurde aber nicht welches Ergebnis der Test erbracht hat. Du erwartest anhand der Aussage dass eine 80jährige von der Seife die Haut einer 18jährigen bekommt, dem Hersteller jedoch reicht es wenn sie die Haut eines 18jährigen Pfirsichs bekommt.

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