Langsam merke ich doch, dass das Physik-Praktikum seine Spuren an mir hinterlässt. Man wird kleinlich genau. Hier mal ein Beispiel, bei welchen Gedanken ich mich z.B. ertappe:
Jemand gibt eine Ausbeute von 120 mg an. Daran ist ja eigentlich nichts auszusetzen, ich erwarte ja auch garnicht dass da noch der Ablese- oder Gerätefehler der Waage mit berücksichtigt wird um dann 120 mg +/- 0,1 mg lesen zu dürfen (was ja möglich wäre). So genau geht es in der Chemie nicht. Aber wenn ich dann noch ein Bild davon sehe, und da ist dann eine elektronische Taschenwaage zu sehen die 0,12 g anzeigt! Und eine Skalierung von 0,02 g aufweist! Da würde zumindest ich dann nicht 120 mg als Ausbeute angeben! Ihr versteht jetzt nicht was ich habe, gell? *g* Na, aber seht doch mal, eine Skalierung von 0,02 g, das bedeutet dass die Waage womöglich auch noch 0,12 g anzeigt wenn man 130 mg drauflegt. Oder 115 mg. Im Praktikum haben wir bei Waagen da immer – sofern nicht anders angegeben – einen Fehler von 1 Skalenteil angenommen, in diesem Falle wären das 0,02 g, wie gesagt. Aber das ist ja auch egal, was mich aber am meisten aufregt: Mit dieser Waage kann streng genommen überhaupt keine Aussage über die letzte Stelle gemacht werden! Also die 120 mg. Diese Angabe in Milligramm spiegelt eine höhere Genauigkeit vor als eigentlich vorhanden ist. Eine Angabe von 0,12 g – so wie es auch auf der Waage steht – würde ich da für ehrlicher halten.
Schreckliche Erbsenzählerei, was? Aber ich kann mir einfach ned helfen, sowas fällt mir inzwischen auf… Aber gut, Chemie ist nicht Physik.
Das Beispiel wurde übrigens einem Thread auf Versuchschemie entnommen. Und nein, ich hab in dem Thread nicht gemeckert. *g* np: DragonForce – Revolution Deathsquad
Nachtrag: Immerhin, die Aussage „…wurde die Ausbeute auf 120 mg bestimmt.“ relativiert das ganze immerhin ein wenig. Obwohl… nein, überhaupt nicht! Mit 0,12 g wäre der Satz genau richtig, aber dadurch dass da wieder die Milligramm angegeben werden wird es nur noch schlimmer!
Schlagworte: Chemie, Genauigkeit, Physikpraktikum
Januar 6, 2008 um 2:17 |
oh, jetzt kann ich endlich mal ein kompliment weitergeben – pedant xD
du könntest die leute ja verklagen wegen vortäuschung falscher tatsachen ^^
Januar 6, 2008 um 2:26 |
Nee, verklagt wird da niemand.
Aber es ist doch ein schönes Beispiel wie man mit Zahlen ganz einfach – und womöglich unbeabsichtigt – manipulieren kann.
„blöd wie Schifferscheisse“ um mal ein Zitat zu ziteren… lol
Scheinbar wird im „echten Leben“ auch viel mit sowas manipuliert. Mein Mathe/Physik-Prof ist da öfter am schimpfen, wie sich irgendwelche blöden Manager auch noch mit sowas täuschen lassen, einfach weil sie die Bedeutung von Zahlen nicht kennen. Und sein Doktorvater hat sich auch schon darüber aufgeregt.
Naja, du lachst da… aber so trivial ist das eigentlich garnicht… (also vom Prinzip her. Im gewählten Beispiel ists ja abolut wurscht.)
Januar 6, 2008 um 2:54 |
„Naja, du lachst da… aber so trivial ist das eigentlich garnicht…“
dessen bin ich mir sehr wohl bewusst
wenn solche manipulationen mit absicht geschehen kann man ziemlich viel damit behaupten. ähnlich ists ja mit geschönten statistiken, die z.b. nicht bei 0 anfangen oder ein exponentielles statt lineares raster haben.
Januar 6, 2008 um 3:05 |
Stimmt! Erinnert mich daran wie der Statistik-Prof uns öfter erzählt hat was man da so machen kann und auch regelmässig über irgendwelche Studien, Zeitungsartikel, etc gelästert hat. ^^
Januar 6, 2008 um 6:20 |
Egal ob 10Euro Taschenwaage oder 1000Euro Analysenwaagen. Alle haben sie gemeinsam das die letzte Stelle nicht zu gebrauchen ist.
Die letzte Stelle sollte man imho immer weglassen oder zur Not zum auf- bzw. abrunden benutzen.
Januar 6, 2008 um 7:35 |
Naja, nicht zu gebrauchen würde ich jetzt nicht unbedingt sagen… In der Stelle wirkt sich eben der Gerätefehler und ggf. der Ablesefehler (Bei Digitalgeräten dann eine art Digitalisierungsfehler) aus. Wenn man weis in welchem Bereich sich diese Fehler bewegen kann man zumindest ein Intervall angeben in dem sich der tatsächliche Wert befindet – wenn es so genau sein muss. Die letzte Stelle ist also eher mit Vorsicht zu geniessen, aber wenn man weis um welchen Wert sie ungefähr schwanken kann, dann kann man sie schon mit angeben, würde ich sagen.
Man sollte sich natürlich immer darüber im klaren sein dass man die letzte Stelle nicht auf diesen Wert „festnageln“ kann.
Januar 7, 2008 um 1:33 |
Es stimmt aber schon, dass in der Chemie teilweise so eine Genauigkeit gefordert ist. Wenn ich an die gesamte instrumentelle Analytik denke, in der man runtergeht in ppb-Konzentrationen sind solche Genauigkeiten immanent. (Wollt ich nur mal so klugscheißen…)
Januar 7, 2008 um 11:07 |
Okay, da hast du recht. Man müsste da weiter differenzieren, in der Analytik ist das ja wieder anders. Aber wenn man spasseshalber Zitronensäure aus Zitronensaft isoliert kann man das wohl bissl lockerer angehen.
Januar 7, 2008 um 11:49 |
Erstmal herzlichen Glückwunsch zum geglückten Umzug und alles gute fürs neue Jahr
Also dass das Physikpraktikum die pedantischer werden lässt wundert mich schon ein wenig, wenn ich da an meine Studienzeiten denke…
Erdbeschleunigung 9,81m/s², wenn man nicht mit 10 gerechnet hat war das ein Fehler, überhaupt war das immer so der Standardspruch „So lange das Ergebnis in der richtigen Größenordnung liegt ist es richtig!“ Auch gleichbedeutend mit : 10.000 = 50.000 *kopfschüttel*
Januar 7, 2008 um 12:09 |
Danke, danke!
Dass das bei euch so „ungenau“ zuging wundert jetzt wiederum mich… Wir haben gerade ein Protokoll verbessert in dem uns angekreidet wurde dass wir eine Gitterkonstante mit 0,0099 mm plusminus 0,0001 mm angegeben haben, das war zu grob gerundet. Mal sehen ob ihm dann (9,93 * 10^-3 +/- 0,04 * 10^-3) mm besser gefällt.
Wäre ja auch beides irgendwie die gleiche Grössenordnung. Gut, den Fehler haben wir im ersten Fall halt etwas grosszügig gerundet (aber sonst hätte er wegen der Anzahl der Stellen wieder gejammert).
Ich seh schon, über Genauigkeit, Präzision und wo diese in welchem Umfang erforderlich ist lässt sich wunderbar philosophieren.